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Was sind Zinssätze?

Zinssätze sind die wichtigste Waffe der Zentralbanken und haben weitreichende Auswirkungen. Da die Weltwirtschaft versucht, wieder zu einer normalen Geldpolitik zurückzukehren, ist es wichtig, zu verstehen, wie die Zinssätze Ihr Geld beeinflussen.

Wenn Sie sich Geld leihen, müssen Sie Zinsen für Ihr Darlehen zahlen – sei es für Ihre Kreditkarte, Ihre Hypothek oder Ihren Studentenkredit. Diese Zinsen sind im Wesentlichen die Kosten dafür, dass Sie jetzt sofort Geld ausgeben können, anstatt monatelang zu sparen.

Den Kreditgeber entschädigen Sie dafür, dass er sich zwei wichtigen Risiken aussetzt: Zeit und Zahlungsverzug.

Wie funktionieren Zinssätze?

Geld wird unter der Voraussetzung verliehen, dass es zurückgezahlt wird. Es besteht jedoch immer das Risiko, dass ein Kreditnehmer mit diesen Rückzahlungen in Verzug gerät. Dieses Risiko wird gemeinsam mit dem Inflationsrisiko in den Zinssatz eingerechnet.

Die Inflation verringert die Kaufkraft des Geldes im Laufe der Zeit. Wenn ein Kreditgeber ein Jahr lang 1.000 € verleiht und die Inflation 2 % beträgt, wäre der reale Wert dieses Geldes innerhalb von 12 Monaten auf 980 € gesunken ist. Der Zinssatz berücksichtigt dies.

Die Zinsen werden normalerweise als Prozentsatz des geliehenen Betrags ausgedrückt. Nehmen wir an, dass Sie Kredit in Höhe von 10.000 € mit einer Laufzeit von einem Jahr und einem Zinssatz von 3 % aufnehmen. Zusätzlichen zu den ursprünglich geliehenen 10.000 € würden Sie weitere 300 € bezahlen. Wenn Sie jedoch die Zinseszinsen berücksichtigen, kann der Betrag, den Sie an Zinsen zahlen, steigen.

Warum senken die Zentralbanken die Zinssätze?

Die Zentralbanken passen die Zinssätze an, um die Inflation mit den von der Regierung festgelegten Zielen in Einklang zu bringen.

Dieser Diskontsatz wirkt sich auf die Zinssätze von Banken und Bausparkassen aus und beeinflusst auch die Zinssätze anderer Kreditgeber.

Will die Zentralbank die Wirtschaft ankurbeln und Ausgaben fördern, kann sie die Zinssätze senken, um die Kreditaufnahme billiger und das Sparen unattraktiv zu machen. Da mehr ausgegeben wird, lässt die höhere Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen die Preise steigen. Die Geschwindigkeit dieses Preisanstiegs wird von der Inflation gemessen.

Wird die Inflation zu hoch, können die Zentralbanken einen Teil dieses wirtschaftlichen Impulses zurücknehmen, um sicherzustellen, dass die Wirtschaft nicht überhitzt. Durch eine Erhöhung der Zinssätze wird die Kreditaufnahme teurer und das Sparen attraktiver – wie stark, hängt aber vom Ausmaß der Zinssatzerhöhung ab.

Die Zentralbanken nutzen die quantitative Lockerung auch, um zu versuchen, die Wirtschaft zu stimulieren. Sie schafft somit Geld, um Investitionen, wie Staatsanleihen, zu kaufen.

Negative Zinssätze

In deflationären Zeiten neigen die Menschen dazu, Geld zu sparen, anstatt es auszugeben. Die fehlende Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen führt zu einem Preisverfall, der die Unternehmen im Laufe der Zeit zwingt, ihre Aktivitäten einzuschränken. Dies kann zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit führen, welche die Ausgaben weiter einschränkt.

Die Senkung der Zinssätze auf null reicht in einem derartigen Umfeld nicht aus, um die Wirtschaft zu stimulieren. Stattdessen nutzen die Banken ein unkonventionelles Instrument, um vom Sparen abzuhalten: negative Zinssätze.

Anstatt mit ihrem Geld am Bankkonto eine Rendite zu erzielen, müssen die Sparer dafür bezahlen, dass es dort aufbewahrt wird. Im Jahr 2014 führte die Europäische Zentralbank negative Zinssätze für Bankeinlagen ein, um zu verhindern, dass die Wirtschaft in eine Deflation abrutscht.

Zinssätze und Anleihen

Eine Anleihe ist eine Schuldinvestition. Wenn ein Investor eine Anleihe kauft, wird er zum Kreditgeber und leiht einem Unternehmen oder einer Regierung Geld.

Der Ertragsspielraum von Anleihen ist begrenzt: Sie bekommen das geliehene Geld zurückbezahlt und erhalten ein Einkommen aus den Kuponzinsen. Die potenzielle jährliche Rendite wird berechnet, indem die Rendite – die Zinsdividende mal dem Wert der Anleihe – misst.

Da sich Zinsen stark auf die Rendite des Anlegers auswirken, ist es sehr wichtig, zu wissen, wie sich Zinsänderungen auf den Anleihenmarkt auswirken. Zinserhöhungen bewirken, dass die Anleihekurse fallen, während Zinssenkungen zu einem Anstieg der Anleihekurse führen.

Wenn die Zinssätze steigen, kann in Zukunft ein höherer Kupon für die Anleihe erwartet werden. Der Investor wird also lieber die neuere Anleihe kaufen, um die bestmögliche Rendite zu erzielen.

Das Ergebnis ist, dass bereits ausgegebene Anleihen an Wert verlieren, da die Anleger nach Alternativen suchen. Wenn die Kurse der Anleihen fallen, steigt die Rendite, was sie für den Anleger attraktiver macht. Das Gegenteil ist zu erwarten, wenn die Zinsen fallen.

Zinssätze und Aktien

Zinssätze unterstützen in der Regel die Aktienmärkte. Werden Verbraucher dazu ermutigt, mehr Geld auszugeben, steigen die Preise. Die Inflation lässt die Unternehmensgewinne steigen, wenn die Löhne analog dazu steigen, was sich in höheren Preisen an der Börse niederschlägt.

Ein Teil dieser Gewinne wird wieder in das Unternehmen reinvestiert, um den Geschäftsbetrieb zu erweitern, was die Arbeitslosigkeit verringert und den gesamten Prozess vorantreibt.

Wie beeinflussen die Zinssätze die Währung?

Im Allgemeinen steigt bei höheren Zinssätzen der Wert der Währung des Landes. Würde die Bank of England den Zinssatz erhöhen, wäre das Pfund Sterling für ausländische Investoren attraktiver – die erhöhte Nachfrage würde seinen Preis in die Höhe treiben.

Leider funktioniert die Wirtschaft selten so einfach und die Beziehung zwischen Zinssätzen und Inflation macht die Sache kompliziert. Auch andere Faktoren haben großen Einfluss auf den Wert der Währung – zum Beispiel politische Spannungen und die Gesundheit der Wirtschaft.

Inzwischen blicken wir auf fast ein Jahrzehnt der niedrigen Zinssätze zurück. Es ist daher wichtig, zu verstehen, welche Auswirkungen Zinsänderungen auf Ihr Geld haben können. Wenn Sie sich der traditionellen Dynamiken zwischen Wirtschaft und Finanzmärkten bewusst sind, können Sie Ihr Portfolio diversifizieren, um diese Risiken angemessen zu managen.

Risikohinweis: Die Kapitalanlage ist mit Risiken verbunden. Der Wert Ihrer Anlagen bzw. die Kurse der Investmentfonds wie auch die daraus fließenden Erträge sind Schwankungen unterworfen oder können ganz entfallen. Daher kann es passieren, dass Sie den von Ihnen angelegten Betrag nicht in voller Höhe zurückerhalten. Im Extremfall besteht auch das Risiko eines Totalverlustes Ihrer investierten Vermögenswerte. Die vergangene Wertentwicklung ist kein zuverlässiger Indikator für zukünftige Ergebnisse. Bei der Einschätzung von Moneyfarm handelt es sich um eine stichtagsbezogene Analyse, die sich in der Zukunft ändern kann. Der vorliegende Beitrag ist keine Finanzanalyse, sondern eine Werbemitteilung.