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Wirecard und der Mitläufereffekt: Warum Trading in volatilen Zeiten keine gute Idee ist

Das Trading hat bei Privatanlegern als Folge des anhaltenden Coronavirus-Ausbruchs stark zugenommen. Da die Menschen dazu gedrängt werden, mehr Zeit zu Hause zu verbringen, keine sozialen Verpflichtungen haben und von Nachrichten über die Weltwirtschaft bombardiert werden, fühlen sie sich vielleicht besser denn je gerüstet, um mit den Entwicklungen auf den Finanzmärkten Schritt zu halten.

Einige Anleger verfallen beim Trading ähnlichen Mustern wie beim Glücksspiel. Ein schneller Gewinn kann zu übertriebenem Selbstvertrauen führen, und während viele Menschen mit dem Trading aufhören, sobald sie einen Treffer gelandet haben, werden andere Trading als Sucht empfinden und ohne ausgiebige Recherche weitere Trades tätigen. Durch den verstärkten Fokus auf das Trading in den Medien werden Anleger dazu verleitet, an den Märkten zu zocken – nur um auf den Zug aufzuspringen und zu vermeiden, dass sie das Gefühl haben, potenzielle Gewinne zu verpassen.

Trading und der Mitläufereffekt

Der Mitläufereffekt hat einen starken Einfluss auf die Geldanlage. Niemand will die nächste große Investitionsmöglichkeit oder neue Must-Have-Aktie verpassen, nur weil andere schneller am Zug waren.

Ein praktisches Beispiel sind die leeren Regale in den Supermärkten in ganz Europa. Wer nach Toilettenpapier, Mehl oder Nudeln sucht, wird feststellen, dass die Vorräte überraschend knapp sind. Zu Beginn des Coronavirus-Ausbruchs lagerten die Menschen diese Artikel in großen Mengen ein. Infolgedessen waren sie für kurze Zeit ausverkauft. Seither sind viele Menschen diesem Beispiel gefolgt – sie haben erkannt, dass Mehl und Teigwaren gefragt sind, und aus Angst, mit leeren Händen zu enden, haben sie sich selbst eingelagert, und der Kreislauf beginnt von neuem.

Das ist irrational. Der praktische Bedarf an diesen Produkten ist während der Krise nicht wesentlich größer als zuvor, und nichts deutet auf einen Versorgungsengpass hin. Die Menschen waren von der gefühlten Panik betroffen und folgten dem, was sie als kluges Verhalten empfanden. Sie sprangen auf den Zug auf.

Ein ähnliches Verhalten lässt sich auch an den Börsen beobachten – vor allem bei Börsengängen, sogenannten IPOs. Wenn Firmen neu an die Börse gehen, sorgt diese Ankündigung oft für viel Medienpräsenz. Infolgedessen gehen viele Anleger davon aus, dass der Wert des Unternehmens ab dem Börsengang steigen wird. Oftmals kommt es daher am ersten Handelstag zu einem übertriebenen Ansturm auf die Aktie und massiven Kursgewinnen. Im Laufe der Zeit steigen jedoch mehr und mehr Anleger aus, da sie realisieren, dass das Unternehmen den hohen Preis nicht wert ist und die Aktie beginnt, ihre Gewinne wieder zu verlieren. Sobald der Kurs aufgrund der ersten Verkäufe zu fallen beginnt, lassen sich wieder viele Anleger beeinflussen und verkaufen ebenfalls panisch ihre Aktien.

Übertriebene Selbstsicherheit und Unterausstattung

Sie sind der Meinung, dass Sie den Markt schlagen können und besser einschätzen können, wie sich eine bestimmte Aktie entwickeln wird? Diese Einstellung ist nicht ungewöhnlich, aber der Glaube daran ist unrealistisch. Menschen neigen dazu, ihre eigene Kompetenz zu überschätzen. Dieses Verhalten ist umso stärker, je weniger sie von einem Thema verstehen und wird auch als Dunning-Kruger-Effekt bezeichnet. Bereits im täglichen Leben kann dies negative Folgen haben; an den Aktienmärkten ist Selbstüberschätzung fatal. Es ist sehr schwierig, bessere Renditen als der Markt zu erwirtschaften. Selbst versierte Finanzprofis schaffen dies nicht immer.

Investmentexperten kennen sich an den Aktienmärkten jedoch aus und können daher oftmals einschätzen, wenn ihnen Informationen fehlen. Menschen ohne Vorkenntnisse realisieren dies oftmals nicht einmal. Zudem werden Investmentexperten von Systemen und Prozessen unterstützt, die Ihnen dabei helfen, sich nicht von ihren Gefühlen leiten zu lassen, sondern fundierte Entscheidungen zu treffen. Dadurch wird das Risiko von Käufen aufgrund von Selbstüberschätzung oder auch Panik verringert.

Das Problem mit der Selbstüberschätzung und dem Mitläufereffekt ist, dass viele Anleger keine Kenntnisse über die fundamentalen Daten haben, die für solide finanzielle Entscheidungen notwendig sind. Dies kann überschaubar sein, wenn die Märkte in Zeiten relativer Ruhe moderaten Bewegungen unterliegen. In Zeiten extremer Volatilität kann dieser Mangel an Wissen jedoch zu großen Verlusten führen, und die Unfähigkeit zu wissen, wie diese Verluste zu mildern sind, kann teuer werden.

Trading auszuprobieren, ist vollkommen in Ordnung, solange diejenigen, die es tun, erkennen, dass es kein vielversprechender Weg ist, um ihr Vermögen langfristig zu investieren und zu schützen – zumindest nicht für die meisten Menschen. In Zeiten einer solchen Volatilität sind selbst die wohlüberlegtesten Strategien mit Risiken behaftet, die sich erst dann erhöhen, wenn man versucht, den Markt zu timen. Nicht ohne Grund müssen Anbieter von Differenzkontrakten (Contracts for Difference, CFD) seit 2018 angeben, wie viele Verluste ihre Anleger erzielen. Ähnlich wie auf Zigarettenpackungen oder bei Sportwettenanbietern gibt es auch bei CFDs also aus Anlegerschutzgründen einen Warnhinweis: „76 Prozent der Kleinanleger verlieren Geld beim CFD-­Handel mit diesem Anbieter“ ist auf der Internetseite des Weltmarktführers im CFD-Trading, IG Markets, zu lesen.

Verwenden Sie eine bewährte Anlagestrategie

Ein gutes Beispiel, warum Sie Ihre Anlage zumindest zu einem gewissen Teil diversifizieren sollten, ist der beispiellose Absturz des vermeintlichen Shooting Stars Wirecard, die aufgrund von Bilanzfälschungen in nur wenigen Tagen rund 98 Prozent ihres Börsenwertes verlor – und mit ihr viele deutsche Hobby-Anleger ein Großteil ihres Geldes. Dabei ist Wirecard lange kein Einzelfall. Letztendlich werden die meisten Menschen, die mit ihrem Trading schnelle Gewinne erzielen wollen, verlieren. Das liegt an einem Mangel an Recherche zu den Fundamentaldaten und viel zu viel Trading „aus dem Bauch heraus“, das durch den Nervenkitzel des Pseudo-Glücksspiels und blinden Opportunismus getrieben wird. Sein Geld an den Kapitalmärkten für sich arbeiten zu lassen, ist eine Fähigkeit, die sich erst nach Jahren entwickelt, und selbst die besten Investoren können die Zukunft nicht vorhersagen.

Bei Moneyfarm stellen wir Anlegern Portfolios zusammen, die ihren langfristigen Zielen und ihrer Risikotoleranz entsprechen. Mit sieben Portfolios bietet Moneyfarm sowohl sicherheits- als auch wachstumsorientierte Lösungen an. Das Angebot wird durch eine persönliche Beratung ergänzt.

Die Strategie von Moneyfarm ist auf eine langfristigen Anlagehorizont ausgerichtet und soll trotz kurzfristiger Volatilität Wachstum erwirtschaften, nicht wegen dieser. Die Versuchung, sich auf der Suche nach kurzfristigen Gewinnen schnell in die Märkte einzukaufen, ist verständlich, aber langfristiges Wachstum sollte man denjenigen überlassen, die über das nötige Fachwissen verfügen, um die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Risikohinweis: Die Kapitalanlage ist mit Risiken verbunden. Der Wert Ihrer Anlagen bzw. die Kurse der Investmentfonds wie auch die daraus fließenden Erträge sind Schwankungen unterworfen oder können ganz entfallen. Daher kann es passieren, dass Sie den von Ihnen angelegten Betrag nicht in voller Höhe zurückerhalten. Im Extremfall besteht auch das Risiko eines Totalverlustes Ihrer investierten Vermögenswerte.