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Moneyfarm-Marktupdate: Kampf um den Werterhalt

Im August ging es an den Aktienmärkten rauf und runter. Ausschlaggebend für die jüngste Volatilität an den Märkten waren Trumps spontane Zoll-Ankündigungen Anfang August und Chinas Reaktion gegen Ende des Monats, Zölle zwischen 5 und 10 % auf Waren aus den USA im Wert von 75 Milliarden Dollar zu verhängen. Im Zuge dessen schickten Trumps Twitter-Reaktionen – in denen er nicht nur den chinesischen Präsidenten Xi, sondern auch Fed-Chef Powell, von dem er stärkere Leitzinssenkungen fordert, als Feinde erklärte – die internationalen Börsen auf Talfahrt, allen voran die US-Indize. Die globalen Sorgen werden verstärkt durch die Angst vor einer Rezession, begründet durch die erstmalige Invertierung der US-Zinskurve seit der Finanzkrise und einen Rückgang des deutschen BIPs im zweiten Quartal (-0,1 % im Vergleich zum Vorjahr). Die sich anbahnende Fortsetzung der restriktiven Zinspolitik ließ die Rendite der Anleihemärkte weiter abtauchen. Einzig der Goldpreis profitierte und setzt seinen Höhenflug fort.

Hans-Jörg Naumer, Director Global Capital Markets & Thematic Research bei AllianzGI, bezeichnet die aktuelle Marktsituation als Kampf um den Werterhalt:

Unruhige Wochen an den Kapitalmärkten liegen hinter uns. Sie waren geprägt von immer wieder aufwallenden Hoffnungen und Sorgen rund um die Geopolitik (Eskalation im Handelsstreit, Entspannungssignale vom G7-Gipfel) sowie einer sich in der Tendenz weiter abschwächenden Weltwirtschaft. Hinzu kam die trügerische Hoffnung, die großen Zentralbanken dieser Welt würden es schon richten. Wo sich Risikoprämien ausweiten, wo Investitionen wegen gestiegener Unsicherheiten zurückgestellt werden, wo sich die Stimmung – langsam auch bei den Verbrauchern – eintrübt, da kann aber billige Zentralbankliquidität nicht die Wunderwaffe per se sein. Am Ende die Erkenntnis: Billiges Zentralbankgeld führt zu Übermut – und der tut selten gut. Nun sind wir noch nicht in der Phase des Übermuts angekommen. Aber es fällt schon auf, dass Aktien- und Anleihenmärkte eine unterschiedliche Melodie spielen. Die Liquidität scheint Risikoprämien zu verzerren. Während auf der Aktienseite die Hoffnung zu überwiegen scheint, den Zentralbanken gelänge es, eine Rezession abzuwenden, sind die Staatsanleihenmärkte tief in das negative Renditeterrain abgerutscht. Über 30 % des weltweiten Marktes für Staatsanleihen haben eine negative Rendite. Im Euroraum sind davon allein 60 % aller Staatsanleihen betroffen – und fast 100 % aller Bundesanleihen. In den USA ist die Zinsstrukturkurve invers, spiegelt also die Erwartung wider, dass die größte Volkswirtschaft der Welt im Verlauf des nächsten Jahres in die Rezession abrutscht. Noch ist es nicht so weit, noch kann sie abgewendet werden. Und deshalb bleibt die Geopolitik der wichtigste Treiber der nächsten Monate. Die Faustregel lautet: Je weniger Sand im Getriebe des Welthandels, desto besser – für die Konjunktur, für die Märkte und für die Menschen. Die schwachen Tage haben an den Börsen derweil für mehr Bodenhaftung der Aktienmärkte gesorgt. Zumindest ist die Relation zwischen dem Kurs-Gewinn-Verhältnis des S&P 500 und dem Volatilitätsindex gesunken. Kein schlechtes Zeichen. Bei einer immer noch positiven, wenn auch niedrigen Inflation und bei um sich greifenden negativen Renditen ist der Kampf um den Werterhalt schwieriger geworden – aber er lohnt sich.