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Kapitalertragsteuer: Gemeinsam durch den Steuer-Dschungel

Sollten Sie sich lieber einen Esel oder ein Maultier anschaffen? Falls Sie jemals vor dieser Entscheidung stehen, könnte Ihnen bei der Entscheidung ein Blick ins Steuerbuch helfen.

Auf einen Esel müssen Sie 19 % Mehrwertsteuer zahlen – auf ein Maultier jedoch nur 7 %. Dieser sogenannte ermäßigte Mehrwertsteuersatz soll vor allem für Güter des täglichen Lebens gelten. Eine solche Besteuerung kann jedoch sehr willkürlich und skurril wirken.

Zur richtigen Geldanlage gehört auch, den Überblick über die Besteuerung zu haben. Moneyfarm hilft Ihnen dabei, ein grobes Verständnis von der Kapitalertragsteuer zu erlangen.

Was ist die Kapitalertragsteuer?

Zinsen, Dividenden und realisierte Veräußerungsgewinne aus Wertpapier- und Fondsverkäufen sind steuerpflichtige Kapitalerträge. Sie unterliegen dem 25-prozentigen Kapitalertragsteuersatz.

Die Kapitalertragsteuer ist eine Quellensteuer, also wird sie dort besteuert, wo sie auch anfällt: an der Quelle. Und um dies für die Steuerzahler zu vereinfachen und die Zahl der zusätzlichen Anträge zur Anlage KAP so gering wie möglich zu halten, wurden in den letzten Jahren Anpassungen vorgenommen, welche die Kapitalertragsteuer zu ihrem neuen Namen brachte: Abgeltungssteuer. Denn durch ihre Ausgestaltung soll sie eine abgeltende Wirkung dem Staat gegenüber haben. Das bedeutet: durch die Vereinfachungen und Änderungen der letzten Jahre soll das zusätzliche Ausfüllen der Anlage KAP hinfällig sein – so das erklärte Ziel.

Kapitalerträge bis zu 801 Euro im Jahr je Person sind dabei steuerfrei. Bei Ehegatten, die zusammen veranlagt werden, beträgt der sogenannte Sparer-Pauschbetrag 1602 Euro.

Mit Freistellungsaufträgen (-> Freistellungsbetrag einrichten) oder einer Nichtveranlagungsbescheinigung (wenn das gesamte verfügbare Einkommen nicht 9.000 Euro im Jahr übersteigt) können Anleger verhindern, dass die Bank Abgeltungssteuer abführt. Mit einem Freistellungsauftrag beauftragen Sie Ihre Bank, anfallende Kapitalerträge bis maximal zur Höchstgrenze vom automatischen Steuerabzug freizustellen. Ohne diesen Auftrag führt die Bank 25% Kapitalertragsteuer sowie 5,5% Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer an das Finanzamt ab. Hierbei muss allerdings angemerkt werden, dass, noch bevor der Freistellungsbetrag greift, der Verlustverrechnungstopf automatisch gefüllt und geleert wird. Der Freistellungsbetrag kann übrigens zwischen verschiedenen Banken aufgeteilt werden. In der Summe der Beträge darf dabei aber der Höchstbetrag nicht überschritten werden

Die Anlage KAP ist nur auszufüllen, wenn Kapitalerträge bezogen wurden, die in Deutschland noch nicht versteuert worden sind. Hilfreich hierfür ist die Jahressteuerbescheinigung des jeweiligen Instituts. Sie wird nach einem amtlichen Muster erstellt und erklärt, wo die bescheinigten Beträge in der Anlage KAP einzutragen sind. Dort kann auch die Günstigerprüfung beantragt werden, wenn Ihr zu versteuerndes Einkommen zusammen mit den Kapitalerträgen 16.336 Euro nicht übersteigt (für Ehepartner gilt das Doppelte), um so einen individuellen Steuersatz zu erhalten, der unter dem der Abgeltungsteuer liegt.

Was sind die Verlustbescheinigung und der Verlustverrechnungstopf?

Werden Kapitalanlagen mit Verlust verkauft, so wird dieser Verlust im Verlustverrechnungstopf vermerkt. Der Anleger hat dann die Möglichkeit, im selben Umfang zukünftige Gewinne steuerfrei zu vereinnahmen, um seine Verluste zu kompensieren. Vorgetragene Verluste bieten somit neben dem Freistellungsauftrag eine weitere Option, Steuerbelastungen beim Verkauf von Wertpapieren zu mindern.

Eine Verlustbescheinigung benötigen Sie nur, wenn Sie Ihre Verluste zum Depot einer anderen Bank übertragen möchten – bei Ihrer Anlage bei Moneyfarm werden realisierte Gewinne und Verluste automatisch miteinander verrechnet, auch über mehrere Portfolios hinweg: Damit die Bank oder depotführende Stelle der abgeltenden Wirkung auch nachkommen kann, werden alle Konten bzw. Depots, die der jeweilige Kunde bei einem Institut besitzt, zusammen betrachtet. Aus diesem Grund benötigt die Bank immer die Angabe der Steueridentifikationsnummer des jeweiligen Kunden.

Was ist die Vorabpauschale?

Da die Kapitalertragsteuer als Quellensteuer immer dann dem Abzug unterworfen wird, sobald auch Kapital fließt, war die Besteuerung von Erträgen innerhalb der Fonds nur dann möglich, sofern es zu einer Barausschüttung kam. Bei thesaurierenden Erträgen mußte der Steuerzahler bislang selbst die Besteuerung innerhalb seiner jährlichen Steuererklärung vornehmen. Mit der Einführung der Vorabpauschale soll auch dieser Vorgang der Vergangenheit angehören. Die Vorabpauschale wird anhand der Wertentwicklung des Vorjahres kalkuliert und fällt nur an, wenn es tatsächlich Gewinne gab. Mehr Informationen zu der Berechnung der Vorabpauschale gibt bei der FFB.

Mit der Vorabpauschale sollen Gewinne aus Fondsanlagen also möglichst jährlich und nicht erst bei Veräußerung der Anteile besteuert werden. Wichtig dabei ist: Die Vorabpauschale ist keine neue Steuer oder eine zusätzliche Besteuerung, sondern lediglich die Art, wie die Kapitalerträge besteuert werden, sozusagen eine vorweggenommene Besteuerung, die regelmäßig stattfindet, und nicht nur beim Verkauf.

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Risikohinweis: Die Kapitalanlage ist mit Risiken verbunden. Der Wert Ihrer Anlagen bzw. die Kurse der Investmentfonds wie auch die daraus fließenden Erträge sind Schwankungen unterworfen oder können ganz entfallen. Daher kann es passieren, dass Sie den von Ihnen angelegten Betrag nicht in voller Höhe zurückerhalten. Im Extremfall besteht auch das Risiko eines Totalverlustes Ihrer investierten Vermögenswerte.

Die Betrachtung einer steuerlichen Behandlung ist abhängig von den persönlichen Verhältnissen des jeweiligen Kunden und kann künftigen Änderungen unterworfen sein. Die Betrachtung stellt keine steuerliche Beratung dar und ersetzt keinesfalls die individuelle Beratung durch einen steuerlichen Berater. Unseren Artikeln, Empfehlungen und Tabellen liegen Informationen zugrunde, die die Redaktion für verlässlich hält. Eine Garantie für die Richtigkeit kann die Redaktion allerdings nicht übernehmen. Die genannten Werte berufen sich auf dem Stand vom 01.01.2020.