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Alles, was Sie über den Alphafaktor wissen sollten

Nur wenige Investoren würden Renditen, die den Markt übertreffen, ablehnen. Es sind aber eine Menge Analysen nötig, um zu beurteilen, ob Ihnen eine Investition tatsächlich dabei hilft, Ihre angestrebte Rendite zu erreichen. Ein häufig verwendetes Maß, um eine Investition zu bewerten, ist der Alphafaktor. Aber wie wird er berechnet und welche Informationen liefert er eigentlich?

Was ist der Alphafaktor?

Zunächst sollten Sie beachten, dass der Alphafaktor ein vages Konzept ist – und das gilt für viele Methoden zur Bewertung der Performance eines Fonds oder einer Strategie.

Der Alphafaktor ist die „aktive“ Rendite einer Anlage im Vergleich zu einer Benchmark. Aktives Management ist eine Strategie, bei der ein Fondsmanager versucht, den Markt oder eine Benchmark zu übertreffen.

Stellen Sie sich zum Beispiel vor, dass Fonds A über 12 Monate hinweg eine Rendite von 5 % erzielt und damit die Benchmark, die 4 % wächst, übertrifft. In diesem Fall wäre der Alphafaktor 1 %.

In Wirklichkeit ist es allerdings schwieriger, die Performance und Korrektheit der aktiven Rendite zu analysieren.

Um ein positives Alpha zu erzielen, muss ein Fondsmanager den Markt so gut kennen, dass er Anlagen zum gewinnbringendsten Zeitpunkt kauft und verkauft. Außerdem muss er genau jene Wertpapiere auswählen, von denen er glaubt, dass sie den Markt übertreffen werden.

Der Alphafaktor in der Finanztheorie

Die Verwendung des Alphafaktors als statistisches Maß ergibt sich aus:

  • der modernen Portfoliotheorie (MPT), die die Beziehung zwischen Risiko und Ertrag beschreibt.
  • dem Kapitalgutpreismodell oder Preismodell für Kapitalgüter (CAPM), das als erstes Alpha- und Betafaktoren einführte.

Die MPT von Harry Markowitz nimmt an, dass es eine „Effizienzlinie“ mit Portfolios gibt, die bei einem gegebenen Risiko die maximale Rendite liefern.

Wenn man versucht, die Risiken seines Portfolios unter Kontrolle zu bringen, sollte man entscheiden, ob diese ein systematisches Risiko (das Marktrisiko bzw. nicht diversifizierbare Risiko) oder unsystematisches Risiko (spezifisches Risiko, das sich durch Diversifizierung verringern lässt) sind.

Wie kann man den Alphafaktor messen?

Ein Fondsmanager entscheidet, wie viel Risiko er eingeht, welches vom Betafaktor repräsentiert wird. Ein Betafaktor von 1 bedeutet, dass er genau so viel Risiko wie der allgemeine Markt eingeht und somit dieselben Renditen erwarten kann. Ein Betafaktor von weniger als 1 bedeutet hingegen, dass weniger Risiko als der allgemeine Markt eingegangen wird.

Ein Betafaktor über 1 bedeutet, dass der Fondsmanager mehr Risiko eingeht und daher höhere Erträge erwarten kann. Es muss allerdings genau beurteilt werden, ob die aktiven Renditen dieses zusätzliche Risiko, das vom Fondsmanager eingegangen wurde, rechtfertigen können.

Generell gilt, dass der Alphafaktor bei marktüblichen Erträgen 0 sein sollte.

Die Berechnung von Jensens Alpha

Der Alphafaktor ist normalerweise eine Zahl, die angibt, wie gut sich eine Anlage im Vergleich zu ihrer Benchmark entwickelt. Die grundlegende Berechnung des Alphafaktors lautet Gesamtrendite der Anlage minus der Rendite der Benchmark.

Es gibt aber eine fortschrittlichere Technik, die als Jensens Alpha bezeichnet wird. Diese berücksichtigt die CAPM-Theorie (Capital Assets Pricing Model) und ermittelt sowohl den risikofreien Renditesatz als auch den Betafaktor.

Das CAPM beschreibt die Beziehung zwischen Risiko und Ertrag und wird zur Bewertung von riskanten Vermögenswerten verwendet, wobei die erwartete Rendite für ein bestimmtes Risikoniveau geschätzt wird. Entsprechend der CAPM-Theorie muss man zur Berechnung des Jensen-Alphas eines Portfolios folgendes kennen:

  • R(i) – die realisierte durchschnittliche Rendite der Portfolios
  • R(m) – die realisierte Rendite der Benchmark
  • R(f) – den risikofreien Renditesatz
  • B – den Betafaktor des Portfolios

Diese Zahlen geben Sie in folgende Gleichung ein, um den Alphafaktor zu berechnen:

Berechnung des Alphafaktors

Ohne Berücksichtigung des Markteinflusses ist der Alpha-Wert null – wenn das CAPM korrekt ist.

Ist das Alpha-Wert negativ, wäre der Ertrag, den der Fondsmanager mit dem eingegangenen Risiko erzielen konnte, zu niedrig. Ein positives Ergebnis bedeutet, dass das Portfolio mehr erwirtschaften konnte, als seine Benchmark.

Der Unterschied zwischen dem Jensen-Alpha und dem Standard-Alpha besteht darin, dass es Ihnen die erste Kennzahl ermöglicht, die Bestandteile der Überrendite zu ermitteln.

Nehmen Sie beispielsweise an, dass Sie in zwei Fonds investiert haben: Fonds A und Fonds B. Beide Fonds weisen im letzten Jahr dieselben Standard-Alphafaktoren auf, performten aber völlig unterschiedlich.

Fonds A blieb das ganze Jahr über – mit Ausnahme eines Tages – unter seiner Benchmark. An diesem einen Tag legte er eine so starke Perfomance hin, dass der gesamte Alphafaktor des Jahres positiv wurde. Fonds B lieferte an jedem Tag des Jahres eine systematische Überrendite gegenüber der Benchmark.

Wenn man die Risiko-Rendite-Beziehung berücksichtigt: mit welchem Fonds würden Sie sich wohler fühlen?

In diesem Beispiel liefert Fonds B eine statistisch signifikantere Alpha-Performance als Fonds A und ist wahrscheinlich die zuverlässigere Investition.

Was sind die Schwächen des Alphafaktors?

Wie jede andere Theorie ist auch der Alphafaktor nicht unfehlbar.

Es kann ziemlich schwierig sein, eine geeignete Benchmark zu finden, um die Performance Ihres Portfolios zu beurteilen. Diese muss aber mit Bedacht gewählt werden, um zu ermitteln, welche Vorteile das aktive Management für Ihr Portfolio hatte.

Falls es keine geeignete Benchmark gibt, können Analysten Algorithmen und andere Modelle verwenden, um einen Index zu simulieren und den Alphafaktor zu berechnen.

Alphafaktor versus Markteffizienzhypothese

Falls Sie die Glaubwürdigkeit des Alphafaktors in Frage stellen, sollten Sie sich die Markteffizienzhypothese (EMH) ansehen, die annimmt, dass eine risikobereinigte Überrendite dem Glück – und nicht Ihren Fähigkeiten – geschuldet ist.

Die EMH nimmt an, dass der Markt bereits alle verfügbaren Informationen berücksichtigt und somit korrekt bewertet ist. Dies würde bedeuten, dass ein aktiver Manager keinen wirklichen Vorteil bieten würde.

Egale, ob Sie glauben, dass marktüberlegene Renditen aufgrund von Können oder Glück erzielt werden, ist klar, dass es fast unmöglich ist, den Markt jedes Jahr zu übertreffen. Einige aktive Fonds hatten daher Probleme. Laut der S&P Dow Jones Indizes konnten zwei Drittel der aktiven Fondsmanager großer Unternehmen konnten den S&P 500 im Jahr 2016 nicht schlagen.

Auch kleinere Vermögensverwalter hatten es schwer: 90% der Mid Cap- und 86% der Small Cap-Manager verfehlten das Ziel.

Das Jahr 2017 lief für aktive Manager besser. Laut dem Marktforschungsunternehmen Scope Analysis übertrafen 2017 etwas mehr als die Hälfte der Aktienfonds ihre Benchmark – im Jahr 2016 lag dieser Wert bei 23%.

Moneyfarm hat absolut nichts gegen aktive Investitionen, wir haben aber definitiv ein Problem mit den Gebühren, die Anleger oft für aktives Management bezahlen müssen. Zu hohe Gebühren schaden der Performance und verhindern, dass die Anleger ihre finanziellen Ziele erreichen.

Generell gilt: Je mehr Geld Sie investieren können, desto besser, da Sie Ihre Erträge durch Zinseszinsen maximieren können. Dabei werden Ihre Erträge reinvestiert, um wiederum eigene Erträge zu erzielen, was langfristig einen echten Unterschied machen kann.

Es ist ausschlaggebend, dass Anleger verstehen, wie sich Gebühren auf die Performance auswirken. Natürlich kann niemals eine bestimmte Rendite garantiert werden, Sie können aber steuern, wie hoch die anfallenden Gebühren sind.

Aktive Entscheidungsfindung

Wenn bei passiven Investitionen die Benchmark, der ein Fonds folgt, an Wert verliert, fällt auch der Fonds. Das bedeutet, dass er richtig funktioniert.

Um dieses Risiko zu kontrollieren, baut Moneyfarm Anlageportfolios auf, die verschiedene Anlageklassen und Regionen umfassen. Durch die Diversifizierung werden etwaige Verluste in Ihrem Portfolio durch an anderer Stelle erzielte Gewinne ausgeglichen.

Um Ihre Erträge zu maximieren und die Kosten zu senken, sollten Sie in passive Instrumente investieren. Sie können aber durchaus eine aktive Entscheidungsstrategie anwenden, um Ihr Portfolio so aufzubauen, dass es Ihr Anlegerprofil am besten widerspiegelt.

Unser Team von Anlageberatern bewertet gerne die Auswirkungen der Gebühren auf Ihr Portfolio bewerten – lassen Sie am besten gleich Ihr Portfolio prüfen.

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Investieren birgt Risiken. Der Wert einer Anlage und Erträge daraus können sinken oder steigen. Investoren erhalten den investierten Betrag gegebenenfalls nicht in voller Höhe zurück. Investitionen in festverzinsliche Wertpapiere können für Investoren verschiedene Risiken beinhalten, einschließlich – jedoch nicht ausschließlich – Kreditwürdigkeits-, Zins-, Liquiditätsrisiko und Risiko eingeschränkter Flexibilität.