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Was die Märkte nächste Woche bewegt

In den USA nimmt die Berichtssaison für das dritte Quartal an Fahrt auf. Positive Überraschungen sind ausgehend von niedrigen Gewinnerwartungen möglich. Darüber hinaus richtet sich das Augenmerk auf den Zinsentscheid der Federal Reserve (Mi). Der US-Geldmarkt preist mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 90% eine dritte „vorsorgliche“ Leitzinssenkung von 25 Basispunkten ein. Das Zielband für die Fed Funds Rate läge dann bei 1,50-1,75%. In der Vergangenheit haben „insurance rate cuts“ der Fed in einem nicht-rezessiven Konjunkturumfeld maximal 75 Bp. betragen. Eine Reihe von Indikatoren lassen auf die (künftige) Konsumentwicklung schließen, darunter das Verbrauchervertrauen (Di) und die privaten Einkommen und Ausgaben (Do). Die amerikanischen Verbraucher spielen eine Schlüsselrolle für die US-Wirtschaft, da rund zwei Drittel des Bruttoinlandsprodukts (BIP) vom Privatkonsum abhängen. Während die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (Do) voraussichtlich bestätigen, dass der US- Jobmotor läuft, wenngleich schleppender, drohen nach wie vor Mitte Dezember die geplanten zusätzlichen Strafzölle von 15% auf chinesische Konsumgüter im Wert von rund 160 Mrd. US-Dollar.

Auch in Japan würde eine Lockerung der Zinszügel (Do) nicht für eine große Überraschung sorgen – der Geldmarkt rechnet mit einer Wahrscheinlichkeit von über 90% mit einem Zinsschritt bis Jahresende. Trotz Vollbeschäftigung ist das Inflationstempo auf der Verbraucherebene (Di) nach wie vor verhalten. Die Aussichten für die japanische Konjunktur bleiben vorerst gedämpft. Der andauernde Handelskonflikt zwischen den USA und China lastet auf den Exportperspektiven der Industrie (Do). Dagegen könnte der Einzelhandelsumsatz im September von vorgezogenen Käufen im Vorfeld der Mehrwertsteuererhöhung (seit Okt. in Kraft) profitiert haben.

Hinweise auf die Wachstumsperspektiven Chinas im vierten Quartal geben die Einkaufsmanagerindizes (Do, Fr). Während die bisher zu beobachtende Konjunkturbeschleunigung weitgehend auf die wirtschaftspolitisch angekurbelte Binnennachfrage zurückgeht, könnte sich das Stimmungsbarometer angesichts der jüngsten Handelsgespräche zwischen Washington und Peking aufgehellt haben.

Im Euroraum stehen die BIP-Zahlen für Frankreich (Mi) und Italien (Do) im Blickpunkt, neben dem Economic Sentiment (Mi) und den Verbraucherpreisen im Oktober (Do). Bislang hat die robuste Binnenwirtschaft ein Abgleiten der Wirtschaft in eine Rezession verhindert. Die Inflationsrate dürfte angesichts gefallener Energiepreise weiterhin um die Marke von 1% schwanken, zum Unmut der EZB. Während die Geldpolitik insgesamt konjunkturstützend bleibt – seit Anfang des Jahres haben Zentralbanken weltweit mehr als 40-mal ihre Leitzinsen gesenkt – könnten ereignisreiche Wochen den Märkten sowohl Süßes bringen als auch „einen Streich spielen“. Dabei gilt: Je geringer die (politisch induzierten) konjunkturellen Abwärtsrisiken, desto größer dürfte die Risikofreude ausfallen. Je größer, desto lauter sollten einmal mehr die Rufe nach einer Lockerung der Fiskalpolitik werden. In China sind weitere Stimuli bereits geplant. In Europa lassen die Budgetzahlen für 2020 zumindest auf einen sanften Lockerungskurs schließen, mehr aber nicht.

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Ann-Katrin Petersen, Vice President, Global Economics & Strategy bei Allianz Global Investors

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