Posted in:

Moneyfarm-Marktupdate: Wendepunkte?

Was für ein Monat an den Aktienmärkten! Nach einem leicht holprigen Start ging es fast nur bergauf. Ende Oktober verzeichnete der marktbreite S&P 500 dann sogar neue Rekordhochs: Grund dafür ist unter anderem die dritten Zinssenkung in diesem Jahr durch die US-Notenbank Fed. Der DAX stieg im vergangenen Monat sogar noch steiler an als die US-Börsen.

Allerdings: Die Inflation in der Euro-Zone entfernt sich immer weiter von der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB) von 2,0 %. Der Preisauftrieb wurde vor allem dadurch gebremst, dass sich Benzin und Heizöl im Oktober im Schnitt um 3,2 % verbilligten.

Stefan Scheurer Director, Global Capital Markets & Thematic Research bei Allianz Global Investors, wirft ein Licht darauf, welche Wendepunkte an den Kapitalmärkten uns noch erwarten könnten:

Die Handelsspannungen zwischen China und den USA waren die größte Unsicherheitsquelle für das globale Wirtschaftswachstum der letzten zwei Jahre. Doch es zeichnet sich eine – nach langwierigen Verhandlungen beider Seiten – vorläufige Vereinbarung in Richtung eines ersten Handelsabkommens ab. Allerdings bleiben dabei die großen strukturellen Fragen im Handelsstreit nach wie vor ungeklärt. Diese mögliche Übereinkunft könnte den ersten Wendepunkt für einen Ausweg aus der Sackgasse bedeuten. Eine Sackgasse, die sich im zeitlichen Verlauf zunehmend mehr im Unternehmer- und Verbrauchervertrauen bzw. im Investitionsaufwand der Unternehmen niedergeschlagen hat – u. a. fiel die globale Unternehmensstimmung auf das niedrigste Niveau seit Anfang 2016.

Ein weiterer Wendepunkt könnte auch die zuletzt deutliche Annäherung in den seit Monaten festgefahrenen Verhandlungen zwischen der britischen Regierung und der Europäischen Union (EU) um den Brexit sein. Zwar scheint eine kurzfristig Lösung nicht in Sicht, und so dürfte die politische Unsicherheit an den Börsen noch eine Weile anhalten. Doch mit der Abstimmung im Unterhaus, den Gesetzgebungsprozess in die nächste Phase treten zu lassen – auch wenn die Parlamentarier den Regierungsplan über den Umsetzungszeitplan ablehnten –, erscheint ein geregelter EU-Austritt Großbritanniens nach einer erneuten Fristverlängerung durch die EU zu einem späteren Zeitpunkt eine realistische Option.

Aber jene politischen Unwägbarkeiten bleiben nicht ohne konjunkturelle Folgen. Laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF) hat sich das Wachstum in 90 % aller Staaten gegenüber dem Vorjahr abgeschwächt. Es lag mit 2,9 % gegenüber Vorjahr im dritten Quartal 2019 auf dem niedrigsten Stand seit 2009. Studien der US-Notenbank Fed sowie des IWF gehen von einem negativen Einfluss des Handelskonflikts auf das globale Wirtschaftswachstum von 80 bis 110 Basispunkten aus. Das zeigt sich auch am schwächsten Wachstum Chinas seit Jahrzehnten, wenngleich die schwache Entwicklung des Außenhandels sowohl auf Gründe außerhalb als auch innerhalb Chinas zurückgehen dürfte. Und so rechnen wir vor dem Hintergrund anhaltender (geo-)politischer Risiken im zweiten Halbjahr 2019 mit einem Wachstum der Weltwirtschaft unter Potenzial. Dabei überwiegt weiterhin Skepsis, ob eine expansivere Geldpolitik – seit Anfang des Jahres haben mehr als 40 Notenbanken ihre Leitzinsen gesenkt – mit nur begrenzter fiskalischer Unterstützung ausreicht, um die zahlreichen ökonomischen und politischen Belastungsfaktoren im derzeitigen spätzyklischen Konjunkturumfeld auszugleichen. Diese potenziellen Wendepunkte – die Teileinigung im Zollstreit sowie die Entwicklung in den EU-Austrittsverhandlungen – sorgten letztlich an den internationalen Kapitalmärkten für Wohlwollen. Während Aktienmärkte teilweise sogar fast neue Allzeithochs erreichten, kam es an den Anleihenmärkten zu Gewinnmitnahmen. Ob sich allerdings dieser implizierte Optimismus fortschreiben lässt, hängt auch vom Verlauf der laufenden Q3-Berichtssaison ab. Der Konsensus geht für den US-Aktienmarkt (S&P 500) von einem Gewinnrückgang von knapp 4 % aus – das lässt Raum für positive Überraschungen. Die vermehrt zurückhaltende Positionierung der Investoren sowie Nettomittelzuflüsse von insgesamt fast 900 Mrd. US-Dollar in weltweite Anleihen- und Geldmarktfonds seit Anfang des Jahres könnten für einen weiteren Wendepunkt sprechen – trotz eines Volumens von mehr als 13 Bio. US-Dollar umlaufender Anleihen mit negativer Rendite. Denn sollte sich die politische Unsicherheitsprämie in den kommenden Wochen weiter verringern, könnte dies zusammen mit einer international zunehmend akkommodierenden Geldpolitik Unterstützung für die globalen Aktienmärkte mit sich bringen.

—-

Risikohinweis: Die Kapitalanlage ist mit Risiken verbunden. Der Wert Ihrer Anlagen bzw. die Kurse der Investmentfonds wie auch die daraus fließenden Erträge sind Schwankungen unterworfen oder können ganz entfallen. Daher kann es passieren, dass Sie den von Ihnen angelegten Betrag nicht in voller Höhe zurückerhalten. Im Extremfall besteht auch das Risiko eines Totalverlustes Ihrer investierten Vermögenswerte. Die vergangene Wertentwicklung ist kein zuverlässiger Indikator für zukünftige Ergebnisse. Bei der Einschätzung von Moneyfarm handelt es sich um eine stichtagsbezogene Analyse, die sich in der Zukunft ändern kann. Der vorliegende Beitrag ist keine Finanzanalyse, sondern eine Werbemitteilung.