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Moneyfarm-Marktupdate: Internationale Gegenmaßnahmen

Historisches passiert gerade: Während der US-Aktienmarkt den stärksten Tagesverlust seit über 30 Jahren verzeichnen musste, sprang das „Angstbarometer“ (der US-Volatilitätsindex VIX) auf über 80 Punkte und lag damit höher als zu Zeiten der Finanzmarktkrise. Während der Dollar-Index zuletzt deutlich an Stärke gewann, lastete auf den Rohstoffmärkten neben dem Nachfrageeinbruch der Ölpreiskrieg zwischen Russland und Saudi Arabien und führte insbesondere dazu, dass sich die Risikoprämien an den Kreditmärkten deutlich ausgeweitet haben.

Ein Gastbeitrag von Stefan Scheurer. Stefan ist Director Global Capital Markets & Thematic Research bei Allianz Global Investors.

Die in der abgelaufenen Kalenderwoche veröffentlichten Früh- und Stimmungsindikatoren sowie Konjunkturdaten aus China brachten es augenscheinlich zu Tage: Die Auswirkung auf Konjunktur und Kapitalmärkte ist deutlich schwerwiegender und keinesfalls vergleichbar mit einer V-förmigen Konjunkturerholung im Anschluss des Ausbruchs von SARS 2002/03. Die weitere Ausweitung des Coronavirus (COVID-19) führt stattdessen zu einer deutlichen Unterbrechung von Lieferketten, das öffentliche Leben wird zunehmend eingeschränkt und damit (nachhaltig) das Verhalten von Unternehmen und Konsumenten verändern. So sollte die Unsicherheit uns auch noch in den kommenden Wochen begleiten und zu starken Verwerfungen in vielen Volkswirtschaften führen. Im Zuge dessen dürften Ökonomen und Analysten in den kommenden Wochen ihre Konjunktur- und Gewinnschätzungen zum Teil deutlich nach unten hin anpassen, so dass in Anbetracht dieser konjunkturellen Entwicklungen entsprechend auch die Rezessionswahrscheinlichkeit gestiegen und nunmehr Bestandteil unseres Basisszenarios ist.

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Derweil laufen die internationalen Gegenmaßnahmen – teils stärker sogar als zu Zeiten der Finanzmarktkrise 2008/09. So folgten im Zuge der Entscheidung der G4-Notenbanken, insbesondere der US-Notenbank, ihre Leitzinsen weiter zu senken bzw. ihre Anleiheaufkaufprogramme auszuweiten, zahlreiche weitere internationale Notenbanken in einer koordinierten Aktion – weltweit haben mittlerweile mehr als 30 Notenbanken ihre Leitzinsen gesenkt. Für die Emerging Markets sind diese Schritte von besonderer Wichtigkeit, damit sich diese vor weiteren plötzlichen Kapitalabflüssen („sudden stop“) wappnen können. So ist die Geldpolitik der Schwellenländer ähnlich expansiv wie zu Zeiten der Finanzmarktkrise. Zwar kann die Geldpolitik bei Angebots- und Nachfrageschocks wenig ausrichten, wichtig ist sie dennoch, um die Unternehmen mit ausreichend Liquidität zu versorgen und um die finanziellen Risiken zu reduzieren.

Um Stabilität und vor allem Vertrauen unter Investoren bzw. Unternehmen wieder herzustellen sowie um den negativen Effekt auf Unternehmen und Konjunktur abzumildern, verkündeten zudem zahlreiche Regierungen rund um den Globus zum Teil massive fiskalische Pakete. Allein die USA erwägen ein Hilfspaket von über einer Billion US-Dollar, dabei soll auch erwogen werden, den Bürgern Schecks auszuhändigen. In Europa wird u.a. die Idee von gemeinsamen „Coronavirus-Bonds“ diskutiert. Zudem stehen neben Steuerstundungen vor allem Garantien für Unternehmenskredite im Fokus – diese umfassen z.b. in Frankreich etwa 12% des Bruttoinlandsprodukts und in Großbritannien sogar 15%

Die Woche voraus

Die kommende Kalenderwoche startet in den USA mit zahlreichen Frühindikatoren (Mo, Di), die in Summe genommen ein ähnliches Bild abgeben dürften wie der Empire State Index zu Beginn der abgelaufenen Woche – er fiel auf den niedrigsten Stand seit April 2009. Hauptaugenmerk dürfte aber auf dem Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe für März (Di) liegen. Die Daten sollten jetzt das Virus vermehrt widerspiegeln, während die Auftragseingänge für langfristige Güter (Mi) noch einen soliden Eindruck der US-Wirtschaft vermitteln dürften.

Wie in den USA stehen auch in der Eurozone, Großbritannien und Japan die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe an (Di). Die ersten rezessiven Anzeichen dürften in den einzelnen Umfragen sichtbar werden. In Deutschland liegt der Fokus auf dem Ifo-Geschäftsklimaindex (Mi), wonach vor allem die Erwartungen der Unternehmen deutlich pessimistischer ausfallen dürften. In Großbritannien tagt die Bank of England (Do), wenngleich nach ihrer außerplanmäßigen Zinssenkung einzig mit weiteren Details hierzu gerechnet werden sollte.

Die zuletzt deutlichen Verwerfungen an den globalen Kapitalmärkten spiegeln sich auch im Anlageverhalten wider. Laut der American Association of Individual Investors (AAII) lag der Anteil an Bären unter US-Investoren bei zuletzt über 50% – der höchste Wert seit April 2013. Geldmarktfonds sahen Nettomittelzuflüsse weltweit i.H.v. 200 Mrd. US-Dollar. Das entspricht übrigens dem stärksten Mittelzufluss seit 2007. Im Zuge der Risikoaversion stiegen Put-Call-Ratios auf Niveaus vergleichbar zu Zeiten der Finanzmarktkrise 2008/09 bzw. der Eurokrise 2015/2016. Doch erste Kontraindikatoren springen an: Die Relative-Stärke-Indikatoren (RSI) deuten auf – zum Teil deutlich – überverkaufte Aktienmärkte, und laut der jüngsten Fondsmanagerumfrage der US-Großbank Bank of America ist der Pessimismus unter den Profianlegern so groß wie seit 2008/09 nicht mehr. Die ökonomischen Gegenmaßnahmen gegen das Virus laufen. Auch weiterhin gilt: Vorsicht ja, Panik nein.

Bleiben Sie gesund,

Stefan Scheurer

Risikohinweis: Die Kapitalanlage ist mit Risiken verbunden. Der Wert Ihrer Anlagen bzw. die Kurse der Investmentfonds wie auch die daraus fließenden Erträge sind Schwankungen unterworfen oder können ganz entfallen. Daher kann es passieren, dass Sie den von Ihnen angelegten Betrag nicht in voller Höhe zurückerhalten. Im Extremfall besteht auch das Risiko eines Totalverlustes Ihrer investierten Vermögenswerte. Die vergangene Wertentwicklung ist kein zuverlässiger Indikator für zukünftige Ergebnisse. Bei der Einschätzung von Moneyfarm handelt es sich um eine stichtagsbezogene Analyse, die sich in der Zukunft ändern kann. Der vorliegende Beitrag ist keine Finanzanalyse, sondern eine Werbemitteilung.