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Fünf Finanz-Schwerpunktbereiche für 2020

Für 2020 rechnen wir mit einem Hin und Her zwischen Risikofreude und Risikoscheu („Risk-on/Risk-off“), wenn die Märkte schwaches Wirtschaftswachstum, niedrige Zinsen und erhöhte politische Unsicherheit einpreisen. In diesem Umfeld könnte es sich auszahlen, auf aktives Risikomanagement zu setzen (anstatt sich mit volatilen Indexrenditen zu begnügen) und einen Blick über den Benchmark-Tellerrand hinaus auf nachhaltige und themenbezogene Investments zu richten.

Nach unserer Einschätzung wird das Jahr 2020 durch schwaches globales Wachstum, nachlassende Dynamik der US-Wirtschaft und anhaltende Unsicherheit über den weiteren Markteinfluss politischer und geldpolitischer Maßnahmen geprägt sein. In diesem Umfeld sollten Anleger ihre Portfolios auf Kurs halten, indem sie auf überzeugungsbasierte Anlagen setzen und Risiken aktiv managen, anstatt sie zu vermeiden. Bedeutende politische Ereignisse wie die Präsidentschaftswahlen in den USA (und der Kampf Donald Trumps um eine zweite Amtszeit) werfen ihre Schatten voraus. Dies dürfte zu ausgeprägten Stimmungsschwankungen zwischen Risikofreude („Risk-on“) und Risikoscheu („Risk-off“) führen, wenn die Marktteilnehmer mal risikoreichere, mal risikoärmere Assetklassen favorisieren. Wir rechnen mit niedrigen Gesamtmarktrenditen (Beta), wodurch die Jagd nach Überrenditen gegenüber dem Markt (Alpha) umso wichtiger wird.

Auch 2020 werden die Notenbanken ein wichtiger Taktgeber der Kapitalmärkte bleiben, selbst wenn ihre Maßnahmen zur Ankurbelung des Wirtschaftswachstums an Wirkung verlieren und das aktuelle Umfeld ultraniedriger Zinsen den Handlungsspielraum einengt. In Europa und Japan befinden sich die Zinsen bereits seit längerer Zeit in negativem Terrain, und auch die US-Notenbank (Fed) hat das bereits niedrige Leitzinsniveau zuletzt weiter abgesenkt. Dies hat Aktien und andere finanzielle Assets gestützt, zugleich jedoch ihre Preise künstlich aufgebläht und so zur Ungleichheit der Vermögensverteilung beigetragen, ohne im Gegenzug das Wirtschaftswachstum ausreichend stark anzukurbeln. Angesichts schwindender Optionen werden die Notenbanken wahrscheinlich an ihrem Kurs geldpolitischer Stimulierung mit begrenzter Wirkung festhalten. Nun wäre es an der Fiskalpolitik, durch Erhöhung von Staatsausgaben und/oder Steuersenkungen Verantwortung zu übernehmen.

Wollen Anleger in diesem volatilen Umfeld nicht lediglich der Wertentwicklung eines Index nachjagen, müssen sie Risiken auf einer tieferen Ebene ganzheitlich adressieren – beispielsweise durch Fokussierung auf den Klimawandel oder andere Risiken, denen Unternehmen im Zuge ihrer Geschäftstätigkeit ausgesetzt sind. Durch Einbeziehung ökologischer, sozialer und Governance (Gute Unternehmensführung)-Faktoren (ESG-Kriterien) in die Anlageentscheidungen kann das Risikomanagement unterstützt und das Ertragspotenzial verbessert werden. Die Überzeugungen der Anleger, etwa inwieweit tiefgreifende langfristige (durch Innovation oder Regulierung ausgelöste) Veränderungen neue Investmentchancen eröffnen, lassen sich mithilfe thematischer Strategien in Portfolios abbilden.

Fünf Schwerpunktbereiche für 2020

1. „Risk-on/Risk-off“-Marktschwankungen könnten in stagnierenden Beta-Renditen resultieren

In den vergangenen Jahren haben Nachrichten rund um Zinsen, Politik, Handel, Klimawandel und andere zentrale Themen zu teils heftigen Marktschwankungen geführt. Wir gehen davon aus, dass die Märkte vor dem Hintergrund der US-Präsidentschaftswahlen 2020, der schwelenden Handelskonflikte und der spätzyklischen Konjunkturdynamik der Weltwirtschaft noch sensibler auf die Nachrichtenlage reagieren könnten. So würde bei einer Verbesserung konjunktureller und politischer Indikatoren wahrscheinlich der Appetit auf risikoreichere Investments zunehmen („Risk on“), während eine Verschlechterung dieser Indikatoren eine Bewegung hin zu sicherheitsorientierten Investments auslösen dürfte („Risk off“). Dies könnte in einem niedrigen und volatilen Beta resultieren, weshalb eine aktive Vermögensverwaltung und Asset-Allokation nach unserer Überzeugung zunehmend wichtiger wird.

2. Nachhaltiges Investieren als Kernelement des Investmentansatzes

Nach unserer Überzeugung befindet sich die Investmentbranche an einem Wendepunkt: Nachhaltige Investments werden nicht länger nur als Trend, sondern als wesentliches Element des Portfoliomanagements betrachtet. Nachhaltiges Investieren bezieht nicht-finanzielle Faktoren (wie ESG-Faktoren) ein, um nachhaltige Ergebnisse bei zugleich attraktiver finanzieller Rendite zu erzielen. Nachhaltiges Investieren wird sowohl für Vermögensverwalter als auch für Unternehmen und Anleger immer wichtiger: – Vermögensverwalter lenken Kapital in Richtung nachhaltiger Unternehmen und Projekte, die sich mit den aus Anlegersicht drängendsten Herausforderungen der Welt befassen. – Unternehmen erkennen, dass sie durch die ernsthafte Beschäftigung mit Themen wie Klimawandel und Managervergütung ihre Wettbewerbsposition stärken können. – Anleger können in der Praxis beobachten, wie ESG-Investments dabei behilflich sein können, Risiken zu managen und das Ertragspotenzial zu verbessern. Die breite Anerkennung der Bedeutung nachhaltiger Investments spiegelt sich auch in den Mittelzuflüssen wider: Nach Angaben des Forum for Sustainable and Responsible Investment flossen in den USA im Jahr 2018 12 Billionen USD in nachhaltige Assets – ein Anstieg von 38 % gegenüber 2016.

3. Der strategische Wettbewerb zwischen den USA und China nimmt an Schärfe zu

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China hat bereits einen „technologischen Kalten Krieg“ entfacht, der die Entwicklung eigenständiger, miteinander konkurrierender Ökosysteme vorantreibt. Auch an anderen Fronten nehmen die Spannungen zwischen beiden Nationen zu: Neben wiederholten Vorwürfen der Währungsmanipulation an die Adresse Chinas wird in den USA auch über eine Beschränkung der Aufnahme chinesischer Unternehmen in globale Benchmarks von US-Indexunternehmen nachgedacht. Die wachsende Rivalität zwischen den beiden Supermächten könnte letztlich dazu führen, dass Unternehmen weltweit gezwungen wären, sich für die eine oder andere Seite zu entscheiden. Dies hätte womöglich weitere Beeinträchtigungen der Lieferketten globaler Technologie- und Konsumgüterkonzerne zur Folge, von denen viele bereits unter verschärfter Beobachtung der Aufsichtsbehörden stehen. Sollten die Handelsstreitigkeiten anhalten und China seine Abhängigkeit von westlicher Technologie verringern, dann könnten die Märkte für den Westen bereits innerhalb der nächsten fünf Jahre nicht mehr zugänglich sein. Dies würde die Geschäftsmodelle der Unternehmen aus dem Silicon Valley existenziell verändern, die bislang auf die kostengünstige Produktion in China und anderen asiatischen Ländern angewiesen sind.

4. Wachsende Sorgen um die Sicherstellung der Versorgung mit Erdöl und Nahrungsmitteln

Zuletzt waren die Ölpreise zwar relativ stabil (im bisherigen Jahresverlauf pendelten sie meist in einer Spanne zwischen 50 und 70 USD/Barrel), die geopolitischen Spannungen in Nahost könnten jedoch auf das Ölangebot durchschlagen – man denke nur an die jüngsten Drohnenangriffe auf Produktionsstätten des staatlichen saudischen Ölkonzerns. Gleichzeitig sorgt der Klimawandel dafür, dass sich Anleger zunehmend von fossilen Energieträgern abwenden, wodurch der Branche potenziell weniger Kapital für Wachstum und Investitionen zur Verfügung stünde. Auch die Lebensmittelversorgungskette ist anfälliger, als es vielen bewusst ist – sei es durch Handelsstreitigkeiten, extreme Wetterverhältnisse oder den Ausbruch von Tierseuchen. Die Lebensmittelpreisinflation zählt zu den ernsteren Varianten des Preisauftriebs: in einigen Fällen führt sie durch Steigerung der Lohninflation (Zweitrundeneffekte) zu einer Abschwächung des Wirtschaftswachstums; in den schwerwiegendsten Fällen gefährdet sie das Leben von Menschen.

5. Themeninvestments unterstützen Anleger dabei, tiefgreifende langfristige Veränderungen in ihren Portfolios abzubilden

Anleger interessieren sich zunehmend für Bereiche der Wirtschaft, die ihren eigenen Werten und Interessen entsprechen – etwa die Entwicklung neuer Technologien auf Basis Künstlicher Intelligenz oder das Management knapper Ressourcen. Die Überzeugungen der Anleger – etwa inwieweit tiefgreifende langfristige (durch Innovation oder Regulierung ausgelöste) Veränderungen nicht nur Investmentchancen eröffnen, sondern auch für neues Wirtschaftswachstum sorgen können – lassen sich mithilfe von Themeninvestments in Portfolios abbilden. Dabei beschränken sich Themeninvestments nicht auf eine bestimmte Branche, Region, Marktkapitalisierung oder Benchmark. Mit ihrer Hilfe können Anleger effektiv an disruptiven Unternehmen und Trends partizipieren, die die Welt von morgen prägten könnten – mit dem Ziel, eine über dem Markt liegende Rendite (Alpha) zu generieren.


Ein Gastbeitrag von Allianz Global Investors

Risikohinweis: Die Kapitalanlage ist mit Risiken verbunden. Der Wert Ihrer Anlagen bzw. die Kurse der Investmentfonds wie auch die daraus fließenden Erträge sind Schwankungen unterworfen oder können ganz entfallen. Daher kann es passieren, dass Sie den von Ihnen angelegten Betrag nicht in voller Höhe zurückerhalten. Im Extremfall besteht auch das Risiko eines Totalverlustes Ihrer investierten Vermögenswerte. Die vergangene Wertentwicklung ist kein zuverlässiger Indikator für zukünftige Ergebnisse. Bei der Einschätzung von Moneyfarm handelt es sich um eine stichtagsbezogene Analyse, die sich in der Zukunft ändern kann. Der vorliegende Beitrag ist keine Finanzanalyse, sondern eine Werbemitteilung.