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Die Kluft zwischen den Aktienmärkten und der Wirtschaft

Die US-Aktienindizes befinden sich seit Jahresbeginn im Plus (Stand: 01.08.2020), die Wirtschaft in den Vereinigten Staaten zeigt sich jedoch weiterhin geschwächt. Das verdeutlicht die Gesamtbeschäftigung der US-Arbeitskräfte – die sich selbst nach der jüngsten Verbesserung auf dem Niveau von 2012 befindet.

Beschäftigung in den USA, Quelle: Bloomberg

Wie ist die Kluft zu erklären?

Für gewöhnlich werden drei Gründe angeführt: Erstens, dass die Finanzmärkte zukunftsorientiert sind und sie sehen, dass sich die Wirtschaft erholen wird. Zweitens, dass die finanzpolitischen Maßnahmen, von niedrigeren Zinssätzen bis zum quantitative Easing, den Finanzmärkten einen größeren und schnelleren Nutzen bringen als der Realwirtschaft. Und schließlich, dass sich die Zusammensetzung des US-Marktes von der der US-Wirtschaft unterscheidet – im Grunde genommen bedeutet das Gewicht der großen Technologieunternehmen und die beschleunigte Umstellung von Offline- auf Online-Märkte (weit gefasst), dass der Markt die Zukunft besser widerspiegelt als die Vergangenheit (siehe die zahlreichen Offline-Konkurse im Einzelhandel, die derzeit stattfinden).

Wir sind der Meinung, dass alle drei Punkte einen gewissen Wert haben, aber wir wollten den dritten Punkt noch etwas genauer untersuchen.

Quelle: Bloomberg, eigene Berechnungen

Die nebenstehende Tabelle zeigt den MSCI USA-Index, aufgeschlüsselt nach dem Gewicht des Sektors mit Marktkapitalisierung und dann nach der Anzahl der Beschäftigten. Unsere Grundidee war, dass Technologieunternehmen im Verhältnis zu ihrer Marktkapitalisierung nicht so viele Mitarbeiter beschäftigen. Und das scheint im Großen und Ganzen richtig zu sein. Wenn wir Technologieunternehmen nach der Anzahl der Beschäftigten und nicht nach der Marktkapitalisierung gewichten würden, wäre ihr Gewicht im Index etwa halb so groß wie das tatsächliche Gewicht. In ähnlicher Weise sind Grundnahrungsmittel und Güter des täglichen Bedarfs im Verhältnis zur Zahl der Beschäftigten in der Marktkapitalisierung unterrepräsentiert (dabei wird natürlich nicht der Output der großen Zahl hochproduktiver Genies berücksichtigt, die den Technologiesektor bevölkern).

Allerdings: Amazon wird zum Beispiel  unter „Consumer Discretionary“ statt unter „Tech“ aufgeführt. Wenn wir also etwas mehr in den einzelnen Titeln graben würden, bekämen wir eventuell eine andere Antwort. Und kurzfristig können die Unternehmen ihre Rentabilität auch bei schwächeren Haushaltsausgaben aufrechterhalten.

Börsennotierte Unternehmen vs. Gesamtwirtschaft

Ein weiterer Punkt ist, dass die Unternehmen auf dem US-Aktienmarkt (weltweit) nur etwa 25-30 Mio. Beschäftigte haben. Im Vergleich dazu liegt die Gesamtbeschäftigung in den USA bei etwa 140 bis 150 Millionen. Die Mehrheit der Menschen arbeitet nicht für börsennotierte Unternehmen. Und das ist wichtig, denn die Daten deuten darauf hin, dass die börsennotierten Unternehmen weit mehr Gewinn erwirtschaften als der Rest. Die nachstehende Grafik zeigt die Kluft zwischen den Betriebsgewinnen für den S&P 500 und für die Gesamtwirtschaft. Börsennotierte Unternehmen sind wahrscheinlich besser in der Lage, mit einem Abschwung umzugehen.

Quelle: Bloomberg

Wohin führt uns das also?

Die drei Gründe, die wir angeführt haben, scheinen stichhaltig zu sein, aber es ist sogar noch wahrscheinlicher, dass diese Kluft eher zwischen börsennotierten Unternehmen und der übrigen Wirtschaft besteht. Das sind gute Nachrichten für Aktienbesitzer, aber vielleicht weniger gute für alle anderen.

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