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Das Coronavirus bleibt ein Risiko

Für Anleger gibt es nichts Schlimmeres, als aufzuwachen und zu lesen, dass die Zahl der Fälle von COVID-19 (besser bekannt als Coronavirus) weiter steigt.

Es besteht kein Zweifel, dass wir es mit einem Ereignis zu tun haben, dessen Tragweite in den ersten Tagen zweifellos unterschätzt wurde. Es geht weniger um die Aufmerksamkeit der Medien als vielmehr um die Entwicklung der Märkte, insbesondere in Europa und den Vereinigten Staaten, die sich derzeit um historische Höchststände bewegen und die Werte von Mitte Januar überschreiten. Anders verhält es sich bei den Schwellenländern, wo die Anleger bereits die ersten Verluste zu verzeichnen haben, und ganz allgemein bei den asiatischen Notierungen – aus offensichtlichen, geografischen Gründen. Umso wichtiger ist die Bedeutung des Risikomanagements mit einer diversifizierten Strategie und einem professionellen Ansatz, der in der Lage ist, Risiken zu begegnen.

Die Coronavirus-Epidemie kann als „schwarzer Schwan“ (Börsenbegriff für unvorhergesehene Ereignisse) katalogisiert werden. Doch im Gegensatz zu anderen Ereignissen dieser Art weist die mögliche Ausbreitung der Epidemie zwei Besonderheiten auf:

  • Es handelt sich um ein neues Ereignis, so dass wir noch nicht über die Instrumente verfügen, sein Ausmaß zu beurteilen. Wissenschaftler fügen täglich neue Wissenselemente hinzu, aber die Studienphase der Epidemie hat gerade erst begonnen.
  • Das Virus hat bereits echte Auswirkungen auf unser Leben, von der Quarantäne bis hin zu Reisebeschränkungen.

Wir glauben derzeit, dass es zwei potenzielle Risikoquellen für die Finanzmärkte gibt. Erstens haben wir das schlimmste Szenario, nämlich dass das Coronavirus zu einer globalen Pandemie wird. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist definitiv gering, aber die Finanzmärkte scheinen im Moment nicht auf dieses Szenario zu setzen.

Der zweite große negative Effekt könnte das Wachstum der Unternehmen betreffen. Die Unternehmensgewinne haben bereits 2019 enttäuscht, aber die Bewertungen sind dennoch weiter gestiegen, was zum Teil der laxen Geldpolitik der Zentralbanken zu verdanken ist. Um diese Niveaus zu rechtfertigen, wäre daher in diesem Jahr ein stärkeres Wachstum der Wirtschaft und der Gewinne erforderlich.

Doch selbst die Optimisten sind sich inzwischen weitgehend einig, dass das globale Wachstum weiterhin relativ fragil ist. Hier kommt das Coronavirus ins Spiel: Wenn sich die Krankheit weiter ausbreitet und die Regierungen weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Krankheit ergreifen, könnte dies zu großen Veränderungen im Verbraucher- und Geschäftsverhalten in China und darüber hinaus führen.

Weniger Reisen und Konsum, weniger Einkäufe, stornierte Urlaube – je länger diese Eindämmung andauert, desto größer könnten die Auswirkungen auf das globale Wachstum sein. Der Schlüssel ist zu verstehen, wann der Schaden schließlich strukturell wird und die mittelfristigen BIP-Aussichten beeinträchtigt.

Aus diesen Gründen wird das Coronavirus nicht Millionen von Menschen töten müssen, um einen signifikanten Einfluss auf die Märkte zu haben. Es genügt, dass die Verbreitung des Virus noch einige Monate andauert, um das Verhalten von Verbrauchern und Unternehmen zu ändern.

Nicht zuletzt müssen wir die Auswirkungen berücksichtigen, die das Coronavirus auf die „Dynamik“ haben könnte. Während die Nachfrage nach Konsumgütern bei steigenden Preisen voraussichtlich zurückgehen wird, gibt es auf den Finanzmärkten bekanntlich Zeiten, in denen sich das Preiswachstum selbst trägt.

Dieser positive Trend könnte durch einen exogenen Schock gestoppt werden, wie wir es bei vielen Finanzkrisen erlebt haben, und das Coronavirus könnte diese Rolle als Katalysator spielen.

Mögliche Auswirkungen auf das BIP

Aus einer eher mittelfristigen Perspektive ist es angebracht, über die mögliche Übertragung dieser Krise auf die Realwirtschaft nachzudenken. Ein solcher Notfall würde die Zirkulation, den Konsum und im Falle einer Eskalation sogar die Investitionen und den Handel beeinträchtigen.

Wir werden diese Komponenten ausgehend vom Verbrauch analysieren. Sie stellen eine der grundlegenden Komponenten des BIP dar. Sie bleiben die Komponente, die den größten Schock durch das Reiseverbot und die Quarantäne, denen fast 50 Millionen Menschen ausgesetzt sind, erhalten könnte.

Ein möglicher negativer Aspekt könnte die Auswirkung auf den internen Verbrauch sein. Wenn ein externer Faktor den Verbrauch drückt, werden die diesem BIP-Posten zugewiesenen Ressourcen im Allgemeinen für eine spätere Verwendung zurückgestellt. Wenn die Epidemie nicht lange anhält, sollte die Auswirkung auf den Konsum die kurzfristige Volatilität verringern. Dies wäre anders, wenn der externe Faktor auf die saisonale Verbrauchsspitze treffen würde, wie es an Feiertagen der Fall sein könnte.

Bei genauerer Betrachtung scheint die chinesische Konsumdynamik nicht durch besondere saisonale Trends gekennzeichnet zu sein. In diesem Sinne sind die Auswirkungen auf den Konsum im Moment wahrscheinlich nur vorübergehend und lokal begrenzt.

Wenn der Ausnahmezustand anhält, werden wahrscheinlich andere Komponenten des BIP, wie Investitionen und Exporte, betroffen sein. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt glauben wir nicht, dass diese Komponenten bereits benachteiligt sind. Auch hier wird es darauf ankommen, die Dauer des Notfalls zu beurteilen.

Die zweite Komponente, die betroffen sein wird, sind die Nettoexporte, berechnet als Differenz zwischen exportierten und importierten Waren. Wenn sich Ersteres auf Chinas BIP auswirkt, könnten die Schließung der Grenzen und die mögliche Reduzierung des Handels Auswirkungen auf die Exporte des asiatischen Riesen haben, die derzeit etwa 10% der Weltausfuhren ausmachen. Bisher haben wir erlebt, dass Unternehmen wie British Airways Flüge nach China gestrichen haben, aber die Risiken einer globalen Ausbreitung des Virus könnten viel gravierender sein. Auch hier würde sich die Eskalation der Reihe nach auf den Personenverkehr, dann auf den Konsum und schließlich auf den Handel auswirken. Nicht alle Staaten sind so gut für den Notfall gerüstet wie China, was ein weiterer zu berücksichtigender Aspekt ist.

Ein nützlicher Vergleichsmaßstab könnte die Sars-Epidemie sein, dann verlangsamte sich die Wirtschaft nicht wesentlich (obwohl wir natürlich nicht sagen können, wie das Wachstum ohne den Virus ausgefallen wäre). Es war jedoch ein anderes China. In den Jahren 2000 – 2008 wuchs China mit einer durchschnittlichen realen Rate von mehr als 10% pro Jahr.

China hat in den letzten Jahren bereits unter Handelskriegen gelitten, die das Wachstum beeinträchtigt haben. Das Wirtschaftswachstum ist zwar positiv, hat sich aber 2019 im Vergleich zu 2017 um fast 1 Prozentpunkt verlangsamt, und selbst ohne Berücksichtigung der Auswirkungen des Coronavirus sind die Erwartungen für 2020 (5,9%) und 2021 (5,8%) bereits nach unten revidiert. Trotz hoher Verschuldungsraten wurden die Kapitalanforderungen an die Banken gesenkt, um Investitionen anzuregen. In einem Umfeld hoher Verschuldung werden die Auswirkungen externer Schocks auf die Wirtschaft verstärkt.

Wir glauben, dass die Auswirkungen auf die Wirtschaft auch ohne eine längere Pandemie in erster Linie von der Dauer des Notfalls abhängen werden.

Ölpreis

Welche Auswirkungen hat das Virus auf den Rohölpreis? Obwohl das Land der größte Investor in erneuerbare Ressourcen ist, hat die Nachfrage nach Öl in China in den letzten zehn Jahren stetig zugenommen, wobei sie um etwa 12% pro Jahr gestiegen ist und die Hauptenergiequelle bleibt. Beim Ölverbrauch ist China nach den Vereinigten Staaten das zweitgrößte Land, so dass der Einfluss der Nachfrage des asiatischen Giganten auf den Preis erheblich ist.

Wir sehen bereits einen Abwärtstrend der Ölpreise in diesem Jahr, der vor allem durch die Dynamik von Angebot und Nachfrage angetrieben wird.

Kurzfristig, in einem Kontext, in dem die Angebots- und Nachfragedynamik bereits den Barrelpreis senkt, bringt die Unsicherheit Volatilität beim Ölpreis mit sich.

Sollte die Epidemie mittelfristig konkrete Auswirkungen auf die globale (chinesische oder globale) Gesamtnachfrage haben, würde dieser Faktor negativ zu den Ölpreisen beitragen.

Risikohinweis: Die Kapitalanlage ist mit Risiken verbunden. Der Wert Ihrer Anlagen bzw. die Kurse der Investmentfonds wie auch die daraus fließenden Erträge sind Schwankungen unterworfen oder können ganz entfallen. Daher kann es passieren, dass Sie den von Ihnen angelegten Betrag nicht in voller Höhe zurückerhalten. Im Extremfall besteht auch das Risiko eines Totalverlustes Ihrer investierten Vermögenswerte. Die vergangene Wertentwicklung ist kein zuverlässiger Indikator für zukünftige Ergebnisse. Bei der Einschätzung von Moneyfarm handelt es sich um eine stichtagsbezogene Analyse, die sich in der Zukunft ändern kann. Der vorliegende Beitrag ist keine Finanzanalyse, sondern eine Werbemitteilung.