Posted in:

Inflation einfach erklärt: Was ist sie und wie kann ich mich schützen?

Abgelenkt durch den Trubel auf den Finanzmärkten und die Anzeichen dafür, dass sich die Zinsen erst einmal nicht so schnell von ihren Rekordtiefs verabschieden könnten, kann es leicht passieren, die stille Gefahr der Inflation aus den Augen zu verlieren. Aber was ist Inflation eigentlich und wie wirkt sie sich auf Ihre Ersparnisse aus?

Was ist Inflation und warum ist sie wichtig?

Einfach ausgedrückt, misst die Inflation die Preissteigerungsrate für allgemeine Waren und Dienstleistungen, indem sie den Wert eines umfangreichen Warenkorbs überwacht und abbildet.

Diese vom Statistischen Bundesamt erstellte Liste enthält die Preise für Schokolade, Brot und Käse sowie wichtige Dienstleistungen, wie den Transport, und wird monatlich aktualisiert. Dabei werden die Preisbewegungen dieser Güter ausgewertet und dann im sogenannten Verbraucherpreisindex (VPI) zusammengefasst:

Das Bild zeigt den harmonisierten Verbraucherpreisindex
Quelle: Bundesamt für Statistik, veröffentlicht am 10.02.2020

Die Rohstoffpreise, insbesondere jene von Erdöl, haben den VPI fest im Griff; steigt der Ölpreis, steigen auch die Kosten für die Herstellung von Waren und Dienstleistungen.

Warum ist die Inflation der Schlüssel zur Wirtschaft?

Inflation und Wirtschaft sind eng miteinander verbunden. In einer wachsenden Wirtschaft geben Verbraucher und Unternehmen mehr aus und die gestiegene Nachfrage treibt die Preise in die Höhe. Lässt die Nachfrage nach, verlangsamt sich das Preiswachstum und die Wirtschaft steuert auf eine Phase der Deflation zu, die kurz danach in Form von sinkenden Preisen greift.

Eine inflationäre Entwicklung, die die Erwartungen übertrifft, kann auf eine überhitzte Wirtschaft hinweisen, in der starke Preissteigerungen zu Angebotsineffizienzen führen. Dieses Umfeld kann das Wirtschaftswachstum tatsächlich behindern, da es eine Wachstumsrate widerspiegelt, die nicht nachhaltig ist und sogar ein Vorläufer einer Rezession sein kann.

Zentralbanken nutzen die Inflation, um geldpolitische Entscheidungen zu steuern

Gibt es Anzeichen für eine erhöhte Inflation, können die Zentralbanken einen Teil der wirtschaftlichen Dynamik durch Zinserhöhungen abschwächen. In der Praxis wird dadurch die Kreditaufnahme teurer und das Sparen attraktiver. Davon sind wir derzeit aber weit entfernt.

Wollen die Zentralbanken die Wirtschaft stimulieren und die Ausgaben fördern, können sie die Zinssätze senken, um die Kreditaufnahme billiger und das Sparen unattraktiver zu machen. Die höheren Konsumausgaben erhöhen die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen, was die Preise steigen lässt.

Wie wirkt sich die Inflation auf meine Ersparnisse aus?

Investoren und Sparer sollten die Inflationsprognose im Auge behalten, da sie die Kaufkraft des Geldes im Laufe der Zeit verringert.

Nehmen wir an, dass Sie 20.000 Euro auf Ihrem Tagesgeldkonto haben, welches einen Zinssatz von 0,5% aufweist. Dann hätten Sie nach einem Jahr 20.100 Euro auf Ihrem Sparkonto, was auf den ersten Blick kein schlechter Wert zu sein scheint, da Sie eine Rendite von 100 Euro erwirtschaftet haben.

Liegt die Inflation jedoch z.B. bei 2%, dann müssen Sie 400 Euro verdienen, um den realen Wert Ihrer Ersteinzahlung zumindest erhalten zu können.

Da die Rendite Ihres Tagesgeldkontos nicht mit der inflationären Entwicklung Schritt halten konnte, können Sie mit Ihrem Geld nicht so viel kaufen wie im letzten Jahr.

Wie kann ich die Auswirkungen der Inflation auf meine Ersparnisse kompensieren?

Deutsche Anleger stehen vor dem echten Dilemma, wenn sie ihr Geld vor Inflation schützen möchten.

Obwohl Tagesgeldkonten traditionell als „sicherer Hafen“ angesehen werden, wird das Geld, welches langfristig auf einem Tagesgeldkonto gehalten wird, an Wert verlieren, wenn der Zinssatz unter der Inflationsrate liegt.

Wenn Sie Ihr Geld langfristig in Tagesgeldkonten halten, kann die Inflation die Kaufkraft Ihres Geldes im Laufe der Zeit allerdings ernsthaft beeinträchtigen.

Viele Sparer, die die Niedrigzinsen und das schwache Sparumfeld satt haben, wenden sich auf der Suche nach inflationsbereinigten Renditen an die Finanzmärkte. Mit etwas mehr Risiko wollen sie ihr Geld schützen und es für die Zukunft vermehren.

Risiko ist eines der am häufigsten missverstandenen Konzepte der Finanzmärkte, was vor allem gilt, wenn die Märkte kurzfristige Schwankungen aufweisen. In der realen Welt bedeutet Risiko Glücksspiel und Gefahr.

An den Finanzmärkten geht es aber darum, Ihre Risikobereitschaft mit Ihrer Renditeerwartung in Einklang zu bringen, und Portfolios aufzubauen, die Ihren Anlagehorizont und Ihre Ziele widerspiegeln. Je mehr Risiko Sie mit Ihrem Geld eingehen, desto höher ist die Rendite, die Sie erwarten können – aber auch der mögliche Verlust steigt.

Bei der Berechnung Ihrer Renditen müssen Sie somit immer auch die Auswirkungen der Inflation berücksichtigen.

Mit welchen Anlageinstrumenten kann ich mich vor Inflation schützen?

Aktien werden traditionell als gute Absicherung gegen Inflation eingesetzt, wobei die Unternehmensgewinne im Einklang mit den Preisen von Waren und Dienstleistungen steigen müssen.

Anleihen können auf eine ereignisreiche Beziehung mit der Inflation zurückblicken. Generell bieten Ihnen Anleihen einen regelmäßigen Zahlungsstrom, welcher jedoch bis zur Ende der Laufzeit gleich hoch bleibt und nicht an die Inflation angepasst wird. Dagegen werden die Coupon-Zahlungen von „Floatern“ oder inflationsindexierten Anleihen mit dem Leitzins bzw. der Inflationsrate gekoppelt, damit die Zahlungsströme inflationsbereinigt sind. Dennoch bergen auch diese Instrumente, wie andere Investments auch, Risiken.

Obwohl Sparer und Investoren eine niedrige Inflationsrate meist als positiv bewerten, da der Wert ihres Geldes geschützt ist, kann eine niedrige Inflation auch ein Zeichen für eine schwächelnde oder stagnierende Wirtschaft sein. In diesem Fall könnten die Zinssätze gesenkt werden, was den Spielraum für die Rendite von Bargeldspareinlagen weiter einschränkt.

Strategien zum Ausgleich der Inflation

Wenn Sie investieren, um die Auswirkungen der Inflation auszugleichen, werden Sie immer versuchen, Ihr Geld genau richtig einzusetzen, um Ihr Vermögen zu schützen und es in Zukunft zu vermehren. Dabei ist es nicht so einfach, Ihre beruflichen und privaten Ziele im Einklang bringen.

Während viele Investoren sich bemühen, die besten Anlagestrategien zu ermitteln, vernachlässigen die meisten den wichtigsten Faktor beim Anlegen: die Zeit.

Ein langfristiger Anlagehorizont ist insofern einem kurzfristigen Anlagehorizont vorzuziehen, da er dem Portfolio die Möglichkeit gibt, kurzfristige Marktschwankungen auszugleichen.

Denken Sie daran, sich selbst an erste Stelle zu setzen, wenn Sie in Ihre Zukunft investieren. Durch den Aufbau eines Anlageportfolios, das Ihrem Anlegerprofil, Ihrem Anlagehorizont und Ihrer Risikobereitschaft entspricht, können Sie den ersten Schritt machen.

—–

Risikohinweis: Die Kapitalanlage ist mit Risiken verbunden. Der Wert Ihrer Anlagen bzw. die Kurse der Investmentfonds wie auch die daraus fließenden Erträge sind Schwankungen unterworfen oder können ganz entfallen. Daher kann es passieren, dass Sie den von Ihnen angelegten Betrag nicht in voller Höhe zurückerhalten. Im Extremfall besteht auch das Risiko eines Totalverlustes Ihrer investierten Vermögenswerte. Die vergangene Wertentwicklung ist kein zuverlässiger Indikator für zukünftige Ergebnisse.